Offener Brief an Herrn Ministerpräsidenten Dr. Söder



28. April 2020

Sehr geehrter Herr Dr. Söder!

Mit großer Sorge beobachte ich unser geliebtes Bayern wirtschaftlich immer weiter hinabsinken.

All unser Stolz, der wirtschaftliche Wohlstand, unser florierender und gut aufgestellter Mittelstand, unsere soziale Fürsorge für alle Schichten, all das droht zusammen zu brechen.

Waren wir nach dem Krieg noch ein Armenhaus der Nation, konnten wir uns mit großen Fleiß zu einem wohlhabenden und prosperierenden Bundesland entwickeln, das wirtschaftlich zur treibenden Kraft der Republik gehört.

Wollen wir all das aufs Spiel setzen?

Um mich herum sehe ich Kleinbetriebe um ihre wirtschaftliche Existenz ringen. Zwei meiner Lieblingsrestaurants haben bereits Insolvenz angemeldet. Und selbst das bis zur Krise gut aufgestellte Tagungshotel in meinem Dorf fürchtet, wirtschaftlich nicht überleben zu können.

Welche menschlichen Tragödien sich dahinter verbergen, muss ich Ihnen nicht weiter extra erläutern.

Ist das der Preis für unsere Gesundheit?

Ich habe Ihr zupackendes und entschlossenes Vorgehen vor der Schulschließung im März sehr bewundert. Erst darüber wurde uns der Ernst der Lage bewusst. Gern haben wir Ihre Entscheidungen mitgetragen und geduldig ausgeharrt.


Mittlerweile hatten wir viel Zeit.

Zeit zum Nachdenken, zum Recherchieren, Fakten anschauen. Viel haben wir gelernt, über Viren, unser Gesundheitssystem, das anderer Länder, über Grippen, Epidemien und deren Verlauf in den letzten Jahren.

Allmählich formt sich ein klareres Bild.

Die zunächst prognostizierten Entwicklungen trafen bei weitem nicht ein. Studiert man die Zahlen genau, hat Covid-19 das Ausmaß einer saisonalen Grippe.

Die Faktenlage hat sich also deutlich gewandelt.

Die zunächst vorgenommenen Maßnahmen scheinen nicht mehr angemessen zu sein.

Unterdessen fährt die Wirtschaft Tag für Tag weiter runter.

Die Akzeptanz der getroffenen Maßnahmen sinkt. Zumindest nach innen, nach außen fürchtet man die Strafen und um den Verlust des Arbeitsplatzes. Die Kinder drängen zu ihren Freunden zurück und die Eltern sind am Limit.

Ein gewisses Maß an normalem Alltag muss wieder her.


Doch wie findet man den Weg dazu zurück?

Lieber Herr Dr. Söder, es würde mich sehr beeindrucken, wenn Sie auch hier mit leuchtendem Beispiel vorangingen!!

Klären Sie uns auf, dass sich mittlerweile herausgestellt hat, dass unser deutsches Gesundheitssystem sehr wohl für eine Epidemie gut gerüstet ist, dass unser Epidemie-Notfallplan ausreicht und die im März in Unkenntnis getroffenen Maßnahmen wieder zurückgefahren werden können.
Klären Sie uns auf, dass die Maßnahmen in unserem Land nicht mit denen anderer Länder vergleichbar sind.
Das würde uns beeindrucken. Wenn Sie offen sagen, dass die damals getroffenen Maßnahmen aus jetziger Sicht zu weitgehend waren und deshalb neu überdacht werden müssen. Dann können wir vielleicht noch das Schlimmste für unser Land Bayern abwenden.

Denn schon die bereits erfolgten Schäden sind groß und werden uns noch Jahre beschäftigen. Unser Wohlstand schwindet.

All das betrachte ich mit großer Sorge und appelliere deshalb an Sie, offen mit der Sachlage umzugehen.

Gott segne Bayern und tun wir das Unsrige dazu!

Almuth Lange